Mittwoch, 31. Dezember 2014

Resedafärbung auf Leinen

Auch pflanzliche Fasern können mit pflanzlichen Farbstoffen gefärbt werden. Es bedarf dazu jedoch einer anderen Vorbereitung, als wie man es von tierischen Fasern kennt. Die notwendigen Vorbereitungen habe ich hier beschrieben.

Bei dieser Färbung habe ich zur Veranschaulichung auch ungebeizten Leinenstoff gefärbt und bereits gefärbten Leinenstoff mit einer Nachbeize versehen. Als Leinenstoff kam ein halb-gebleichter, mittelschwerer Leinenstoff zum Einsatz. Bezogen auf das Trockengewicht des zu färbenden Materials habe ich 100% Reseda (Färberwau) für eine Stunde in Wasser eingeweicht, anschließend 1 Stunde ausgekocht und schliesslich die Farbstofflösung abgeseiht. Zeitgleich habe ich den gebeizten Stoff eingeweicht.

mit Reseda gefärbter Leinenstoff
Die vorbereitete Färbeflotte wurde auf ca. 50°C gebracht, die Farbstofflösung hinzugegeben und der feuchte Stoff eingelegt. Das Flottenverhältnis der Färbeflotte betrug 40L Wasser pro kg Stoff. Gefärbt wurde für eine halbe Stunde bei rund 90°C und der Stoff unterdessen immer wieder gewendet. Anschliessend habe ich die Färbeflotte mit dem Stoff abkühlen lassen, den Stoff entnommen, gespült und trocknen lassen. Die erzielte Farbe lässt sich am besten mit zitronengelb beschreiben.

1.) unbehandelt 2.) ungebeizt und gefärbt
3.) gebeizt und gefärbt
4.) gebeizt, gefärbt und nachgebeizt
5.) gebeizt, gefärbt und 2-fach nachgebeizt
6.) gebeizt, gefärbt und nachgebeizt
7.) gebeizt, gefärbt und 2-fach nachgebeizt
Außerdem habe ich weitere Stoffstücke nochmals nachträglich gebeizt.
Auf dem Bild ist zur Veranschaulichung auch ungebeizter und ungefärbter Stoff zu sehen:


Färbeprobe Nr. 4:
Der Stoff wurde nach der Färbung in der Färbeflotte durch Zugabe von 10% Kaliumaluminiumsulfat für 15 Min. bei 95°C nachgebeizt.

Färbeprobe Nr. 5:
Der Stoff wurde nach der Färbung in der Färbeflotte durch Zugabe von 10% Kaliumaluminiumsulfat für 15 Min. bei 95°C nachgebeizt. Anschliessend wurden nochmals 5% Natriumcarbonat zugegeben und nochmals für 15 Min. nachgebeizt.

Färbeprobe Nr. 6:
Der Stoff wurde nach der Färbung aus der Färbeflotte genommen und in einer extra vorbereiteten Beizflotte mit 10% Kaliumaluminiumsulfat für 15 Min. bei 95°C nachgebeizt.

Färbeprobe Nr. 7:
Der Stoff wurde nach der Färbung aus der Färbeflotte genommen und in einer extra vorbereiteten Beizflotte mit 10% Kaliumaluminiumsulfat für 15 Min. bei 95°C nachgebeizt. Anschliessend wurde noch eine weitere Beizflotte mit 5% Natriumcarbonat vorbereitet und der schon nachgebeizte Stoff nochmals gebeizt.


Fazit:
Eine Nachbeize ist nicht sinnvoll.
Färbeprobe 3, 4 und 5 zeigen farblich keinen großen Unterschied, ausser daß die Farben der Proben 4 und 5 wesentlich stumpfer sind.
Bei den Färbeproben 6 und 7 wirkt der erzielte Farbton ausgeblichen.

Die Färbeprobe 3 weist das beste Ergebnis auf und wurde wie hier beschrieben gebeizt und wie oben beschrieben gefärbt.


viel Spaß beim Nachfärben
Stefan

Mit Pflanzenfarben auf Leinen färben...

... funktioniert leider nicht ganz so einfach wie z.B. auf Schafswolle. Der Grund liegt einfach darin, daß pflanzliche Fasern einen strukturell anderen Aufbau als tierische Fasern besitzen. Die für die Färbung nötigen Komplexbildungen, so wie man es z.B. von der Wollfaser kennt, finden bei pflanzlichen Fasern nicht statt.
Daher muss man sich einer anderen Möglichkeit bedienen die Beize auf der Faser zu befestigen.
Eine noch verhältnismässig einfache Möglichkeit ist die Bildung eines wasserunlöslichen Pigments direkt an der Faser. Vermengt man wässrige Lösungen aus Kaliumaluminiumsulfat und Natriumcarbonat miteinander, bildet sich Aluminiumhydroxid. Aluminiumhydroxid ist ein schwer wasserlösliches Pigment, an dem sich der Farbstoff binden kann.

Wichtig dabei ist die Vorbereitung der Leinenfaser. Hierbei sollte man besonders gründlich vorgehen um störende Einflüsse zu vermeiden.
Zuerst wird die Faser mit wenig Waschmittel gereinigt. Bei einem Stoff kann das auch in der Waschmaschine bei 60°C geschehen. Anschließend muss die Faser gespült werden, bis daß keinerlei Rückstände des Waschmittels mehr vorhanden sind.

Für die Beize benötigt man dadurch einen weiteren Schritt als sonst üblich. Das Flottenverhältnis sollte 30L Wasser (oder mehr) pro kg Faser betragen.
In der vorbereiteten Flotte werden 15% Natriumcarbonat (vom Trockengewicht der zu beizenden Faser) aufgelöst. Erst wenn sich das Natriumcarbonat gänzlich aufgelöst hat gibt man die feuchte und gereinigte Leinenfaser hinzu, erhöht die Temperatur auf 95°C und hält diese Temperatur für 2 Stunden. Von Zeit zu Zeit die Faser bewegen, damit diese nicht länger als nötig an der Oberfläche schwimmt. Anschliessend die Beizflotte mit der Faser über Nacht abkühlen lassen, dann die Faser entnehmen und nur abtropfen lassen. Nicht auswringen oder gar spülen!

In dieser Zeit kann man die zweite Beize vorbereiten.
Dazu werden 20% Kaliumaluminiumsulfat (vom Trockengewicht der zu beizenden Faser) in der für die Flotte nötigen Menge Wasser aufgelöst und die Temperatur auf 50°C erhöht. Wenn sich das Kaliumaluminiumsulfat ganz aufgelöst hat legt man die nasse Faser in die zweite Beize ein und erhöht die Temperatur auf 95°C. Diese Temperatur wird für eine Stunde gehalten und die Faser von Zeit zu Zeit wieder bewegt. Nach Ablauf dieser Zeit lässt man die Beizflotte etwas abkühlen, entnimmt die Faser, spült diese gut durch und lässt sie anschliessend gut trocknen.

Auf der Leinenfaser hat sich durch diese doppelte Beize das Aluminiumhydroxid gebildet, an dem nun der Farbstoff anbinden kann. Die Faser kann jetzt wie gewohnt in der Färbeflotte gefärbt werden.
Dazu werde ich hier in der nächsten Zeit nach und nach ein paar Beispiele von gefärbtem Leinenstoff zeigen.


Viel Spaß beim Beizen...
Stefan

Sonntag, 9. November 2014

Grünfärbung mit Klatschmohnblüten auf Zinnbeize

Klatschmohnblüten / Bildquelle: wikipedia.de
Färberezept (für 200g Wolle):

Beize:
6 Liter Wasser auf ca 40°C erwärmen.
6g gemahlenen Weinstein und 6g Oxalsäure in 200ml heißem Wasser auflösen und dem erwärmten Wasser zugeben. Gut umrühren. 6g Zinn(II)-Chlorid in 200ml heißem Wasser auflösen und ebenfalls dem erwärmten Wasser zugeben. Die saubere und feuchte Wolle in das Beizbad geben und die Temperatur langsam bis auf 90°C erhöhen. Diese Temperatur für 1 Stunde halten (zwischenzeitlich die Wolle immer mal wieder bewegen) und anschließend etwas abkühlen lassen. Die gebeizte Wolle entnehmen und in warmen Wasser mit Seife waschen und anschliessend gut spülen.

Färbung:
200g Klatschmohnblüten mindesten eine Stunde in ausreichend Wasser einweichen lassen. Danach für 1 Stunde auskochen, abkühlen lassen und anschliessend abseihen. Die so erhaltenen Färbeflotte mit der notwendigen Menge Wasser auffüllen (so daß die Wolle gut darin schwimmen kann) und die gebeizte und feuchte Wolle zugeben. Die Temperatur bis auf 65°C anheben und für 1 Stunde halten. Zwischenzeitlich die Wolle immer mal wieder bewegen. Die Färbeflotte mit der Wolle abkühlen lassen, die Wolle entnehmen und gut spülen. Die Wolle trocknen lassen.

Anmerkung:
Eigentlich hatte ich einen wesentlich roteren Farbton erwartet. So wird es zumindest in der Literatur angegeben. Da ich mich aber nicht auf weitere Experimente einlassen wollte, habe ich nur einen Zug gemacht. Ein weiterer Zug bei der Menge Klatschmohnblüten sollte aber in jedem Fall noch möglich sein. Natürlich habe ich die restliche, schon fertig gebeizte Wolle, auch gefärbt. Dazu aber mehr in dem entsprechenden Posting.


Grüße
Stefan

Gelbfärbung mit Reseda auf Zinnbeize

Färberezept (für 200g Wolle):

Beize:
6 Liter Wasser auf ca 40°C erwärmen. 6g gemahlenen Weinstein und 6g Oxalsäure in 200ml heißem Wasser auflösen und dem erwärmten Wasser zugeben. Gut umrühren. 6g Zinn(II)-Chlorid in 200ml heißem Wasser auflösen und ebenfalls dem erwärmten Wasser zugeben. Die saubere und feuchte Wolle in das Beizbad geben und die Temperatur langsam bis auf 90°C erhöhen. Diese Temperatur für 1 Stunde halten (zwischenzeitlich die Wolle immer mal wieder bewegen) und anschließend etwas abkühlen lassen. Die gebeizte Wolle entnehmen und in warmen Wasser mit Seife waschen und anschliessend gut spülen.

Färbung:
200g geschnittene Reseda über Nacht in ausreichend Wasser einweichen lassen und anschliessend für 1 Stunde auskochen und abkühlen lassen. Den Färbetopf mit genügend Wasser befüllen (soviel, daß nach Zugabe des Farbstoffsuds die Wolle gut darin schwimmen kann). Die ausgekochte Reseda in ein Tuch abseihen. Den abgeseihten Farbstoffsud dem Färbebad zugeben. Die gebeizte und feuchte Wolle in das Färbebad legen, die Temperatur bis auf 90°C anheben und für 1 Stunde halten. Zwischenzeitlich die Wolle immer mal wieder bewegen. Die Färbeflotte mit der Wolle abkühlen lassen, die Wolle entnehmen und gut spülen, anschließend trocknen lassen.


Grüße
Stefan

Orangefärbung mit Krappwurzel auf Zinnbeize

Färberezept (für 200g Wolle):

Bildquelle: Wikipedia.de
Beize:
6 Liter Wasser auf ca 40°C erwärmen. 6g gemahlenen Weinstein und 6g Oxalsäure in 200ml heißem Wasser auflösen und dem erwärmten Wasser zugeben. Gut umrühren. 6g Zinn(II)-Chlorid in 200ml heißem Wasser auflösen und ebenfalls dem erwärmten Wasser zugeben. Die saubere und feuchte Wolle in das Beizbad geben und die Temperatur langsam bis auf 90°C erhöhen. Diese Temperatur für 1 Stunde halten (zwischenzeitlich die Wolle immer mal wieder bewegen) und anschließend etwas abkühlen lassen. Die gebeizte Wolle entnehmen und in warmen Wasser mit Seife waschen und anschliessend gut spülen.

Färbung:
200g geschnittene Krappwurzel und 100g Weizenkleie 24 Stunden in ausreichend Wasser einweichen lassen. Den Färbetopf mit genügend Wasser befüllen (soviel, daß nach Zugabe des Farbstoffsuds die Wolle gut darin schwimmen kann). Die eingeweichte Krappwurzel (und Weizenkleie) in ein Tuch abseihen, zuknoten und in dem Färbebad gut durchkneten. Den abgeseihten Farbstoffsud dem Färbebad zugeben. Den Beutel mit den Krappwurzeln während der Färbung im Färbebad belassen. Die gebeizte und feuchte Wolle in das Färbebad legen, die Temperatur bis auf 65°C anheben und für 1 Stunde halten. Zwischenzeitlich die Wolle immer mal wieder bewegen. Die Färbeflotte mit der Wolle abkühlen lassen, die Wolle entnehmen und gut spülen, anschließend trocknen lassen.

Anmerkung:
Die Färbung erscheint auf meinem Bildschirm extrem leuchtend, das entspricht nicht ganz der Realität.

Grüße
Stefan

Samstag, 8. November 2014

Färbungen mit Hilfe der Zinnbeize

Färbungen mit Hilfe der Zinnbeize

In den meisten Fällen werden die Fasern mit Hilfe von Metallbeizen zur Färbung vorbereitet. Die wohl bekannteste Beize ist die Alaunbeize (eine Beize auf Basis von Aluminium), gefolgt von Weinstein (auf Basis von Calcium), Eisen(II)-Sulfat (eine Eisenbeize), bis hin zu Zink- und Zinnbeizen.

Dabei spielen die Beizen eine große Rolle was das Färbeergebnis betrifft. Die erzielten Farben können sehr stark variieren. So z.B. wie bei der Weiterentwicklung durch Eisen(II)-Sulfat. Das eigentliche Färbeergebnis einer Birkenblätterfärbung auf Alaun ist gelb. Entwickelt man diese Färbung mit Hilfe von Eisen(II)-Sulfat weiter, bekommt man ein grünes Ergebnis.

Nicht ganz so extrem fällt das Ergebnis bei Zinnbeizen im Gegensatz zu Alaunbeizen aus, aber man erhält schöne klare und kräftige Farben. So bekommt man bei einer Krappwurzelfärbung statt eines roten Ergebnis auf einer Alaunbeize ein oranges, mit Klatschmohnblüten ein grünes und mit Reseda ein leuchtend gelbes Ergebnis.
Um eine Zinnbeize herzustellen wird meistens Zinn(II)-Chlorid benutzt. Zinnchlorid neigt aber dazu im Wasser auszufällen und dieses zu trüben. Deshalb wird das Beizbad sauer eingestellt, welches mit Hilfe von Weinstein und Oxalsäure geschieht.
Aus diesem Grund wird dem Beizbad in den folgenden Beispielen immer Weinstein und Oxalsäure beigegeben.

Alle drei Färbeergebnisse auf einem Haufen.
Anmerkung: Zinn(II)-Chlorid ist ein starkes Bleichmittel! Deshalb ist das Tragen von Handschuhen, Schutzbrille und alter Kleidung anzuraten.

Ich wünsche viel Spaß beim Nachfärben und viel Freude am Ergebnis.


Stefan

Donnerstag, 31. Juli 2014

Malfarben herstellen / Anhang - Liste von Pflanzenteilen

Es gibt sehr viele Pflanzen, oder deren Teile, aus denen man eine Farbe oder ein Farbpigment herstellen kann. Diese (unvollständige) Liste soll eine Idee von der riesigen Auswahl geben und zeigen, welche Farben erreicht werden können.


geeignete Pflanzen und Pflanzenteile:

Alkannawurzel / rot bis violett
Annattosaat / orange
Blauholz / violett
Drachenpalmharz / rot
Eichenrinde / schwarz bis braun
Heidekraut / gelb
Färberginster / gelb
Kamillenblüten / gelb
Krappwurzel / rot bis rotbraun
Faulbaumrinde / dunkelbraun
Frauenmantelkraut / gelb
Gallapfel / schwarz
Gelbholz /gelb
Granatapfelschale / gelb bis braun
Hibiskusblüten / purpur
Holunderbeeren / violett
Indigo / blau
Johanniskraut / gelb
Klatschmohnblüten / rot bis purpur
Kurkumawurzel / gelb
Rainfarnkraut / gelb
Reseda / gelb
Rhabarberwurzel / rot
Saflorblüten / rot bis gelb
Spinat / grüngelb
Walnussschale / braun
Zwiebelschale / gelb

Mittwoch, 30. Juli 2014

Malfarben herstellen / Schritt 3 - Herstellen der malfähigen Farbe

Schritt 3 - Herstellen der malfähigen Farbe


Nachdem wir nun unsere 5 Farbpigmente hergestellt haben, wollen wir diese auch im letzten Schritt zu einer malfähigen Farbe verarbeiten. Diese Farbe ist auch für einen längeren Zeitraum (gut verschlossen / kühl und dunkel) lagerfähig. Als Behälter empfehlen sich z.B. kleine Töpfchen aus Braunglas mit Schraubdeckel.


benötigtes Material:
5 Braunglastöpchen mit Schraubdeckel
1 Schälchen
1 Löffel
destilliertes Wasser
Gummi Arabicum
Calciumcarbonat


Wir lösen ein Teil Gummi Arabicum in 2 Teile destilliertes Wasser auf und fügen dann soviel von dem Farbpigment bei, bis ein dicker Brei entsteht. Diesen lassen wir in dem Braunglastöpchen trocknen. Man sollte darauf achten, daß man nicht zuviel Gummi Arabicum nimmt, da die Farbe sonst zu spröde wird und sich nicht gut mit dem nassen Pinsel lösen lässt.
Diesen Vorgang wiederhohlen wir mit allen unseren bisherigen Farbpigmenten.

Möchte man statt einer lasierenden Farbe eine deckende Farbe herstellen, so kann man zusätzlich zum Pigment noch einen Füllstoff wie z.B. Calciumcarbonat beifügen. Je mehr Füllstoff beigefügt wird, desto pastelliger wird die Farbe.

Da jeder seine eigenen Vorlieben hat was die Zusammensetzung der Farben betrifft, muss man ein wenig probieren bis man seine Rezeptur gefunden hat.

Ich wünsche euch viel Spass bei der Herstellung der Farben und beim Malen...
Wer seine ersten Werke mit den Pflanzenfarben fertiggestellt hat, kann mir gerne ein Foto davon zuschicken, damit ich es hier veröffentlichen kann.


Stefan





Malfarben herstellen / Schritt 2 - Herstellen des Farbpigments

Schritt 2 - Herstellen des Farbpigments


Selbstverständlich kann man mit den in Schritt 1 hergestellten Farbstofflösungen auf gut saugenden Untergründen bereits malen.  Wer aber etwas anspruchsvoller bei der Auswahl der Untergründe und der Farbgestaltung ist, kommt nicht umher diese Farbstofflösungen weiter zu einem Pigment zu verarbeiten.


benötigtes Material:
1 Kochtopf (mind. 3l)
50g Kaliumaluminiumsulfat (Alaun) (je Farbstofflösung aus Schritt 1)
15g Natriumcarbonat (Soda) (je Farbstofflösung aus Schritt 1)
10g Indigo
30g Eichenrinde geschrotet
10g Calciumcarbonat (Kreide)
gut verschliessbare Blechdose (z.B. Pullmoll)
sehr dünner Schraubendreher (2-3mm Durchmesser)
1 Löffel
1 Schüssel (1 bis 1,5l)
1 Schälchen
1 Sieb
1 Abseihtuch
1 Reibschale mit Pistill
1 Thermometer
Wasser


0,1l heißes Wasser in ein Schälchen geben, 50g Kaliumaluminiumsulfat zugeben und solange umrühren, bis sich das Kaliumaluminiumsulfat vollständig aufgelöst hat.
Die aus Schritt 1, Beispiel 1 gewonnene Farbstofflösung (Krappwurzel) in den Kochtopf geben und ggf. mit Wasser bis auf ca. 0,3l auffüllen. Die Farbstofflösung auf 60°C erwärmen, die Temperatur halten und die Kaliumaluminiumlösung unter rühren hinzugeben. Der Farbstoff bindet sich nun an das Kaliumaluminiumsulfat und "fällt" aus.
Nach ein paar Minuten ist dieser Vorgang abgeschlossen.

0,15l warmes Wasser in ein Schälchen geben, 15g Natriumcarbonat unter rühren hinzugeben und solange umrühren, bis sich das Natriumcarbonat vollständig aufgelöst hat.
Die Natriumcarbonatlösung in die 60°C warme Farbstofflösung vorsichtig und etappenweise unter rühren zugeben.

Die beiden Lösungen reagieren miteinander und können unter Umständen heftig aufschäumen. Es bietet sich an diese Prozedur in einer Spüle durchzuführen und dabei Handschuhe und Schutzbrille zu tragen. Der Topf sollte deshalb nicht zu klein gewählt sein. Sollte sich, trotz weiterer Zugabe der Natriumcarbonatlösung, kein neuer Schaum bilden, ist die Zugabe der Natriumcarbonatlösung einzustellen. Natriumcarbonat wirkt in Verbindung mit Wasser basisch. Viele pflanzliche Farbstoffe sind aber laugenempfindlich und würden durch einen zu hohen pH-Wert zerstört werden.
Ist diese Reaktion abgeschlossen, hat sich aus dem Kaliumaluminiumsulfat und dem Natriumcarbonat ein Feststoff (Tonerdehydrat) gebildet, an dem nun unser Farbstoff gebunden ist.

Den Schaum unterrühren und das gerade gewonnene Pigment mit Hilfe des Siebes und dem Abseihtuch abseihen. Die abgeseihte Flüssigkeit sollte im optimalen Fall klar sein, wird allerdings nicht mehr benötigt und kann verworfen werden. Die im Abseihtuch zurückgebliebene Masse gut abtropfen lassen, anschließend mit einem Löffel abschaben, in einer flachen Schale verteilen und vollständig austrocknen lassen.
Ebenso wird mit der Farbstofflösung aus Schritt 1, Beispiel 2 verfahren (Reseda).

Nun haben wir also ein Farbpigment, welches allerdings noch recht grob ist und wenn man nicht gerade eine Pigmentmühle sein Eigen nennt, dann muss dieses noch in einer Reibschale zu feinem Pulver verarbeitet werden. Dazu wird das Pigment in der Reibschale mit dem aufrecht gehaltenen Pistill, mit kreisenden Bewegungen, bis zur gewünschten Pigmentgröße gerieben.

An dieser Stelle greifen wir auch wieder den Indigo-Farbstoff auf. Wie schon geschrieben ist Indigo ein fester Farbstoff, welcher bereits aus der Indigopflanze extrahiert wurde und somit schon als Pigment vorliegt. Dieser Farbstoff wurde bereits extrahiert, da er nicht als Indigo in der Pflanze enthalten ist, sondern als Indican, eine Vorstufe des Indigo. Durch Umwandlung in mehreren Schritten wird dann daraus letztendlich der gewünschte Farbstoff Indigo.
Dieser wird ebenso in der Reibschale bis zur gewünschten Pigmentgröße zerrieben.

Somit haben wir unsere 3 Grundfarben (rot, gelb, blau) als Pigmente vorliegen. Aber um eine möglichst große Palette an Farben mischen zu können fehlen uns noch zwei weitere Farben. Schwarz, um Farben abdunkeln zu können und weiß, um Farben aufhellen zu können.

Um ein schwarzes Pigment herzustellen nimmt man sich eine Blechdose und sticht mit einem dünnen Nagel ein Loch in den Deckel. In diese Blechdose legt man 30g Eichenrinde, verschließt die Dose mit dem Deckel und legt sie in die Restglut eines Grills oder eines Lagerfeuers. Hat man beides nicht zur Hand, geht es auch auf einem kleinem Camping- oder Esbit-Kocher. Nach kurzer Zeit tritt aus dem Loch Qualm aus, ein Zeichen dafür, dass die Rinde unter Luftabschluss beginnt zu verkohlen.
Erst wenn kein Qualm mehr austritt ist die Verkohlung abgeschlossen und die Dose wird der Glut entnommen. Wichtig ist, dass das Loch nun am besten mit einem Holzspan verschlossen wird, damit kein Sauerstoff eindringen kann. Ansonsten würde die Kohle unter Umständen verbrennen und nur Asche zurückbleiben.
Ist die Dose abgekühlt kann diese geöffnet werden und die Kohle entnommen werden. Diese Kohle wird wie die anderen Pigmente in der Reibschale zu feinem Pulver zermahlen.

Um ein weißes Pigment herzustellen müssen wir leider auf die Pflanzen verzichten, denn es gibt keinen weißen pflanzlichen Farbstoff.
Dafür hilft uns aber ein jedem bekanntes Pigment, das Calciumcarbonat. Damit ist aber nicht die Kreide zum Malen an der Schultafel gemeint, sondern das Sedimentgestein aus welchem z.B. die Kreidefelsen auf Rügen bestehen.
Die Schulkreide besteht in der Regel aus Calciumsulfat.
Das Calciumcarbonat wird, ebenso wie das Indigo, einfach in der Reibschale bis zur gewünschten Pigmentgröße zermahlen.

Jetzt haben wir alle nötigen Farbpigmente um eine große Palette an Farben herzustellen.
In Schritt 3 erkläre ich dann, wie man aus den Pigmenten eine malfähige Farbe erstellt.

Malfarben herstellen / Schritt 1 - Herstellen einer Farbstofflösung

 Schritt 1 - Herstellen der Farbstofflösung


Grundvoraussetzung für eine Malfarbe ist verständlicherweise ein Farbstoff. Dieser ist Teil verschiedener Inhaltsstoffe der Pflanzen und wird dort zu unterschiedlichen Zwecken benötigt. So z.B. das Chlorophyll, welches die Blätter der Pflanzen grün färbt und die Photosynthese überhaupt erst ermöglicht.
Leider ist das Chlorophyll wenig lichtecht und eignet sich daher meistens nur für Anwendungen in Lebensmitteln oder Kosmetika.
Mit der im 1. Schritt gewonnenen Farbstofflösung lässt sich auch schon auf gut saugenden Untergründen malen, ist aber für etwas anspruchsvollere Arbeiten nicht zu gebrauchen.

Bitte bei den Arbeiten immer auf Sicherheit und gute Durchlüftung achten!


benötigtes Material:
1 Kochtopf mit Deckel (mind. 2l)
1 Thermometer
1 Rührstab oder Löffel
1 Schüssel (mind. 1,5l)
1 Sieb
1 Abseihtuch
100g getrocknete Pflanzenteile (je Farbe)
Wasser


Beispiel 1: Krappwurzel (geschnitten, roter Farbstoff)

Die getrocknete Krappwurzel in 1l Wasser im Topf über Nacht einweichen lassen.
Anschließend auf 60°C erwärmen und die Temperatur für 30 Minuten halten, gelegentlich umrühren und danach den Farbstoffsud etwas abkühlen lassen. Damit nicht zu viel Wasser verdampft, sollte der Topf mit einem Deckel verschlossen werden.
Der Farbstoff der Krappwurzel ist temperaturempfindlich und sollte daher, um ein schönes rot zu erhalten, nicht über 70°C erwärmt werden. Ist ein rotbrauner Farbton gewünscht kann die Temperatur auf über 70°C ansteigen. Je höher die Temperatur, desto rotbrauner das Ergebnis.

Das Sieb mit einem feuchten Abseihtuch auslegen, den abgekühlten Farbstoffsud filtern und die Flüssigkeit in der Schüssel auffangen. Der in dem Abseihtuch zurückgebliebene Kuchen wird nicht weiter benötigt und kann dem Kompost oder Restmüll zugeführt werden.
Die Farbstofflösung ist nun erstellt und kann im nächsten Schritt zum Herstellen eines Farbpigments genutzt werden.


Beispiel 2: Reseda (geschnitten, gelber Farbstoff)

Das getrocknete Resedakraut in 1l Wasser im Topf für 1/2 Stunde einweichen lassen.
Anschließend bis leicht kochend erhitzen und die Temperatur für 30 Minuten halten, gelegentlich umrühren und danach den Farbstoffsud etwas abkühlen lassen. Damit nicht zu viel Wasser verdampft, sollte der Topf mit einem Deckel verschlossen werden.

Das Sieb mit einem feuchten Abseihtuch auslegen, den abgekühlten Farbstoffsud filtern und die Flüssigkeit in der Schüssel auffangen. Der in dem Abseihtuch zurückgebliebene Kuchen wird nicht weiter benötigt und kann dem Kompost oder Restmüll zugeführt werden.
Die Farbstofflösung ist nun erstellt und kann im nächsten Schritt zum Herstellen eines Farbpigments genutzt werden.


Mit diesen beiden Beispielen haben wir schon 2 der 3 Grundfarben (rot, gelb, blau). Die dritte Grundfarbe kann mit Hilfe von Indigo hergestellt werden. Aus diesen drei Farben können schon eine ganze Reihe weiterer Farben gemischt werden.
Indigo ist allerdings ein fester, wasserunlöslicher Farbstoff, der bereits aus der Pflanze extrahiert wurde und ist somit schon ein Pigment. Das bedeutet, dass man sich die Arbeit wie bei der Krappwurzel und der Reseda sparen kann.

Tipp:
Wer sich die Arbeit sparen möchte, aus der Krappwurzel und der Reseda den Farbstoff zu extrahieren, kann diese Farbstoffe auch fertig extrahiert kaufen.

Weiter zu Schritt 2...

Malfarben herstellen / Vorwort

Malfarben herstellen / Vorwort

Mit pflanzlichen Farbstoffen kann man nicht nur Fasern einfärben, sondern z.B. auch malfähige Farben herstellen. Hier möchte ich ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie man so etwas angeht.
Benötigt werden dazu unterschiedliche Gerätschaften, wie z.B. Kochtopf, Sieb, Löffel, Schalen, Mörser..., welche anschließend nicht mehr zur Zubereitung von Lebensmitteln genutzt werden dürfen.
Ebenso wichtig ist es, dass die genutzten Gerätschaften vor erneutem Gebrauch gründlich gereinigt wurden. Kleine Unreinheiten, wie Farbstoffreste von der vorherigen Verarbeitung, können das Ergebnis entscheidend beeinflussen.


Diese Anleitung ist untergliedert in mehrere Abschnitte:

Schritt 1 -  Herstellen der Farbstofflösung
Um eine malfähige Farbe herzustellen muss in der Regel zuerst der Farbstoff aus den Pflanzen extrahiert werden.

Schritt 2 -  Herstellen des Farbpigments
Der gewonnene Farbstoff muss auf einen Trägerstoff aufziehen, um daraus letztendlich die gewünschte Farbe herzustellen.

Schritt 3 - Herstellen der malfähigen Farbe
Das gewonnene Farbpigment wird je nach gewünschter Eigenschaft der Malfarbe mit unterschiedlichen Stoffen vermengt.

Anhang - Liste von Pflanzenteilen
Eine unvollständige Auflistung von Pflanzenteilen, welche sich zur Herstllung von Malfarben eignen.

Mittwoch, 5. März 2014

Beizen / Chemikalien

In den meisten Fällen reicht es nicht aus, die zu färbenden Fasern in ein Färbebad zu legen.
Die Faser muss mit Hilfe einer Beize vorbereitet werden, damit diese den Farbstoff aufnehmen und binden kann.

Streng genommen sind es Chemikalien, mit denen wir umgehen. Oftmals sind diese zwar als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, aber in ungeschickten Händen können auch diese Schaden anrichten.
Nicht umsonst müssen auf der Verpackung Sicherheitshinweise angebracht sein. So kann man sich schnell und vor Ort informieren, wann es sinnvoll ist eine Schutzbrille und Handschuhe zu tragen, oder welche Maßnahmen man einleiten soll, wenn einem ein Malheur passiert ist.
Ein überlegtes Arbeiten, gute Durchlüftung, vernünftige Schutzbekleidung und ein aufgeräumter Arbeitsplatz tragen zur Sicherheit bei.


Stefan

Färbepflanzen

Neues gibt es nicht mehr zu schreiben, denn alles Wichtige wurde irgendwann schon einmal im Netz niedergeschrieben. Dennoch möchte ich paar Sätze dazu schreiben.

Prinzipiell lässt sich mit jeder Pflanze und deren enthaltenen Farbstoffen färben. Mit der einen Pflanze besser, mit der anderen Pflanze schlechter. Erntezeitpunkt der Pflanze, ordentliche Extraktion und richtige Verarbeitung des Farbstoffs spielen eine große Rolle. Was nutzt mir die beste Färbepflanze, wenn ich den Farbstoff durch falsche Handhabung zerstöre.
Je nach Pflanze wird mit der Wurzel, der Rinde, den Blättern, den Blüten, den Früchten oder dem gesamten Kraut gefärbt.

Dabei sollte man auch nicht vergessen, daß es immer wieder Pflanzen gibt, deren Inhaltsstoffe sich physisch und psychisch auf den menschlichen Körper auswirken. Sich vorher zu informieren ist sinnvoll. Ebenso tragen ein überlegtes Arbeiten, gute Durchlüftung, vernünftige Schutzbekleidung und ein aufgeräumter Arbeitsplatz zur Sicherheit bei.


Stefan

Über mich, oder: wie fange ich an?

Tja, wie beginnt man einen Blog?
Ich weiss es nicht. Von daher lege ich einfach los, denn es kann nur besser werden.

Wer bin ich?
Ich heisse Stefan, bin verheiratet, ü40, keine Kinder, ein Haustier namens Masha, und wohnhaft in Hückelhoven (NRW). Zusammen mit meiner Frau sind wir die Personen, die hinter dem Pflanzenfärber-Shop stehen.

Wie fing alles an?
Vor über 20 Jahren begann alles mit dem sog. Reenactment, worauf schon bald die ersten Berührungen mit den Pflanzenfarbstoffen kamen. Über viele Jahre haben wir dieses Hobby intensiv und mit viel Freude gelebt und aus dem Hobby wurde ein Erwerb. Aber die Zeiten und Interessen ändern sich und so haben wir das Hobby Reenactment aufgegeben, nicht aber die Pflanzenfärberei. Dafür ist dieses Thema viel zu breit gefächert und viel zu spannend, als dass ich davon loslassen wollte. Und so bin ich immer noch mit viel Freude an den Pflanzenfarbstoffen dran.


Was erwarte ich von diesem Blog?

Auch das weiss ich nicht so richtig. Es ist Neuland was ich hier betrete und ich muss mich erst einmal zurecht finden. Vielleicht erwarte ich einfach nur die Überraschung, was dieser Blog bringt.

Was könnt ihr von diesem Blog erwarten?
Da ich sehr gerne experimentiere möchte ich die Abläufe und Ergebnisse hier vorstellen. Soweit es meine Zeit zulässt möchte ich hier Informationen, Gedanken und Neuigkeiten zum Thema Pflanzenfarben niederschreiben.

Was dürft ihr nicht erwarten von diesem Blog?
Bilder von kunstvoll gestalteten Dingen. Weder kann ich malen, stricken, häkeln, weben noch sonst etwas gestalterisches. Das überlasse ich den Leuten, die es können. Ich bin mehr für das Technische.



Stefan